Nachdem wir dort bei 17°C und Sonnenschein am Strand gelegen waren und in unserem 3-Zimmer-Apartment um insgesamt 50 Euro die Welt generell sehr genossen hatten, beschlossen wir das Jahr darauf, diese geniale Idee zu wiederholen.
Nur hatten wir dieses Mal die Rechnung ohne den Wirt bzw. den Wettergott gemacht, der uns dieses Jahr statt mediterranem Sonnenschein eine gesamte Woche Dauerregen und recht ähnlich trübe Temperaturen wie zu Hause bescherte. In unserem Apartment streikte regelmäßig die Heizung, bei der Terrassentür lief das Wasser herein und unsere Herdplatte brauchte nicht übertriebene 30min, um das Wasser für zwei Tassen Kaffee heiß zu machen.
Wir beschlossen jedoch, uns nicht so einfach geschlagen zu geben und per Mietauto trotzdem die Gegend zu erkunden. Schließlich lässt es sich mit der richtigen Einstellung auch bei strömendem Regen und peitschendem Wind gut einen Strandspaziergang machen!
So verschlug es uns eines Tages in das Hinterland der Algarve, wo wir uns auf sich windenden Gässchen bis hinauf ins Bergdorf Monchique verirrten. Wie wir schnell feststellen mussten, gab es in dem menschenverlassenen Ort nicht allzu viel zu bestaunen, besonders da auch kleine Bäche und Wasserläufe bei Dauerregen nicht ihren gesamten Charme zu entfalten wissen.
Durchnässt und mäßig motiviert machten wir uns also nach nur ca. 20min wieder auf den Weg zurück zum Auto. Wo wir feststellen mussten, dass eben dieses jetzt ein Loch mehr, dafür aber einiges weniger an Inhalt zu bieten hatte: ein handwerklich begabter Portugiese hatte mit seinem Baumax-Bohrer ein Loch in unsere Autotür gezaubert und sich für seine schöne Arbeit selbst mit unserem Rucksack und Navi belohnt.
In höchster Auflösung stürmten wir in den nächsten Touri-Laden und heulten der völlig emotionslosen Verkäuferin (die wahrscheinlich vorher die Handwerker höchstpersönlich davon informiert hatte, dass vor ihrer Tür gerade ein besonders schönes Mietauto zur Zerbohrung bereitstehen würde) vor, dass unser car gerade aufgebroken worden war und wir dringend die police benötigten. Glaubhaft versicherte uns die Verkäuferin, dass ihr das vollkommen am Arsch vorbeiginge und verwies uns in das ca. 20min entfernte „Zentrum“ von Monchique zur Polizeistation.
Dort angekommen spielten die beiden Land-Gendarmen erst mal Schere-Stein-Papier, wer von ihnen uns bedienen durfte. Der junge Mann, der offensichtlich den Kürzeren gezogen hatte, setzte sich mit einem tiefen Seufzer zu uns und deutete mit Jammermiene auf den Computer. Ob das nun hieß, dass sie gerade ein neues Programm bekommen hatten, mit dem sich noch niemand auskannte, oder dass sie diese Woche gerade neu von Pergament und Federkiel auf das Teufelsding Computer umgestiegen waren, konnten wir nur erahnen.
Nach einigem Sesselrücken nahm das Unglück seinen Lauf. Basierend auf exzellenter internationaler Kommunikation (da uns weder Bier noch Kuchen gestohlen worden war, reichten meine Portugiesisch-Kenntnisse für diesen Sachverhalt nicht aus, und auch die Englisch-Kenntnisse des Herrn Gendarm dürften einzig aus dem Teleshopping-Kanal erworben gewesen sein) brachen nun einige der schlimmsten Stunden meines Lebens an. Ja, Stunden.
Mir fällt es schwer, die abgelaufene Szenerie in ihrem ganzen schrecklichen Ausmaß zu beschreiben, da es mir leider nicht möglich ist, schriftlich das unglaubliche Zeitlupen-Tempo wiederzugeben, in dem der Polizist unsere Anzeige aufnahm. Per Ein-Finger-System tippte er in jedes Feld stundenlang die eloquentesten Romane ein, nur um am Schluss draufzukommen, dass er aus Versehen alles groß geschrieben hatte und mit einem verärgerten Schnaufer das gesamte Feld nochmals von vorne ausfüllte. Gefühlte 100 Felder später stürzte ihm beim Versuch des Ausdruckens dann auch noch das gesamte Formular ab und der ganze Spaß begann von vorne.
Es klingt jetzt, als hätte ich dieses Detail erfunden, aber ich schwöre bei Gott es ist wahr: an einem Punkt der Tortur krabbelte aus dem Hemdkragen des Herrn Gendarm plötzlich eine kleine Spinne, die in Seelenruhe auf seiner Schulter herumspazierte. An diesem Punkt verlor ich vollends die Kontrolle über mich und meinte, schreiend durch das gesamte Portugiesische Bergland laufen zu müssen, weil ich der festen Überzeugung war, dass ich der Spinne jetzt dabei zuschauen würde, wie sie sich im Laufe der nächsten Stunden ein schönes Netz vom Hemdkragen des Herrn Gendarm über den gesamten Computer bis hin zum Drucker spinnen würde.
Sage und schreibe 3 Stunden später verließen wir als gebrochene Menschen die Polizeiwachstube und machten uns in unseren zerbohrten Auto auf den Rückweg zu unserem Apartment. Nach einer beruhigenden Menge Alkohol und einer Nacht mehr oder weniger erholsamen Schlafes ging es uns schon besser: es war ja immerhin nichts Schlimmeres passiert, als dass wir ein Navi, einen Rucksack, ein Stativ und – wenn auch sehr tragisch – den berühmten Schlüsselanhänger aus Teil 1 dieser Serie verloren hatten. Noch dazu schien an unserem heutigen letzten Tag das erste Mal die Sonne und wir beschlossen, das noch richtig auszunutzen.
Mit guter Laune setzten wir uns also zum Frühstück und planten den Tag, als Sandro plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufsprang und begann, seine gesamten Habseligkeiten zu durchforsten. Und nach einigen Minuten Ausnahmezustand erfuhr ich auch warum: ihm war gerade eingefallen, dass in dem gestohlenen Rucksack doch noch eine Kleinigkeit gewesen war, die wir auf der Polizeiwachstube anzugeben vergessen hatten – unsere österreichischen Wohnungs- und Autoschlüssel.
Es war schlimm genug, dass wir zu Hause nun die Schlösser unserer Wohnung würden austauschen müssen (immerhin brauchte der portugiesische Bohrmeister nur in sein neues Navi „Navigieren zu - nach Hause“ eintippen, um direkt zu jener Wohnung gefahren zu werden, die er mit dem mitgelieferten Schlüssel aufsperren konnte) und auch keine Ahnung hatten, wie wir in unser Auto kommen sollten, das versperrt im Schnee am Münchner Flughafen stand, während unser Reserveschlüssel gemütlich in der Wohnung lag, die wir jetzt nicht mehr aufsperren konnten, da auch unser zweiter Wohnungsschlüssel eben dort drinnen lag – das Schlimmste an der ganzen Situation war, dass wir noch mal in das Polizei-Inspektorat Monchique mussten.
Anstatt unseren letzten Urlaubstag also in der Sonne zu verbringen, erlebten wir ein weiteres Mal die Slowmo-Hölle von Monchique – dieses Mal dank des Umstands, dass ein zusätzliches gestohlenes Objekt nicht einfach auf die Liste hinzugefügt werden konnte, sondern das Anlegen eines komplett neuen Berichts erforderte, sogar rekordverdächtige 3 ½ Stunden lang.
Unsere Habseligkeiten haben wir nie wieder gesehen, beim Autovermieter mussten wir für unser Loch noch 100 Euro löhnen und die neuen Schlösser zu Hause kosteten und noch mal 200 Euro obendrauf – aber am meisten trauere ich den 6 ½ Stunden meines Lebens nach, die mir der Polizeimeister von Monchique gestohlen hat. Vielleicht sollte ich ihn dafür anzeigen.
| Feinste Portugiesische Handwerkskunst |
| Auch dieser Tourist ließ sich nicht vom Wetter abschrecken - wer braucht schon eine Hose?! |
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