Angeregt durch einen schmerzhaften Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen möchte ich mich heute einem besonders heiklen Thema widmen: dem Hosenkauf.
Ich nehme an, dass der Hosenkauf für jene Mädels, die mit gazellenartigen Beinen, Oberschenkeln von vergleichbarer Breite eines Hendlhaxerls und Hüften der Marke „Schmoigoass“ gesegnet sind, kein annähernd so traumatisches Erlebnis – ja, vielleicht sogar ein Spaß – ist, aber für all jene unter uns, für die Frau Klum vermutlich heute leider eher kein Foto hätte, ist dieser Akt ein Drama.
Ähnlich lang wie einen Zahnarztbesuch vor sich hergeschoben, wagt man sich schließlich doch in die Hosen-Hölle und verbarrikadiert sich mit 3-20 verschiedenen Jeansmodellen in der abgelegensten Umkleidekabine. Abgelegen deswegen, um zu vermeiden, dass die übermotivierte Verkäuferin mit einem geflöteten „Und, paaaasst’s?“ ungefragt für alle, die es interessiert (und auch für jene, die es nicht interessiert), den Vorhang aufreißt, während man noch mit hochrotem Kopf und Arsch in der Höhe versucht, die Jeans überhaupt über die Knie zu bekommen.
Generell gilt: beim Hosenkauf ist die Verkäuferin dein größter Feind. Egal, ob du in der Stretch-Hose aussiehst, als würdest du im Fasching als Knackwurst gehen, oder die Skinny-Jeans dich aussehen lässt, als wärst du ein verschollenes Original-Mitglied von Roxette, sie wird immer verzückt ausrufen „Na, goooonz liab! Steht eana einmolig!“ – und aus lauter Verzweiflung wirst du ihr glauben und die Hose kaufen. Aus Scham darüber, dass du auf ihren billigen Trick hereingefallen bist, wirst du dich später auch nicht trauen, die Hose zurückzubringen, wenn dich der erste Fremde arglos gefragt hat, wann es denn bei dir „so weit ist“. Vielmehr wirst du die Hose mit einem resignierten Seufzer in der hintersten Ecke deines Schranks verstauen und dir denken, dass du sie ja immer noch anziehen kannst, wenn du – diesmal aber wirklich! – diese 1-2 Kilo abgenommen hast. Was du natürlich niemals tust und die Hose 5 Jahre später ungetragen zur Altkleidersammlung gibst.
Deswegen ist schon in der Kabine größte Sorgfalt geboten. Es gilt, sich weder durch Rundum-Spiegel noch dadurch verunsichern zu lassen, dass aus der Nebenkabine ein genervtes „Mama, mir sind diese Hosen wirklich ALLE zu groß, kannst du mir vielleicht doch noch eine 32er bringen?“ ertönt, während man selbst gerade versucht, den Hosenknopf einer wesentlich höheren Nummer zu schließen, ohne dabei jemandem das Auge auszuschießen.
Die häufigsten Problemsituationen im Zweikampf Fett gegen Hose lassen sich wie folgt zusammenfassen: Hose bleibt bereits unter den Knien unrettbar stecken / Hose weist zwischen Knopf und Knopfloch einen unüberbrückbaren Spalt auf / Hose scheint vorne zu passen, bietet jedoch hinten einen großzügigen Einblick auf ein ausgedehntes Maurer-Dekolleté / Hose passt oben, hat unten aber ca. 50cm zu lange Beine, die man als Sissi-Schleppe hinter sich herziehen kann.
Gelingt es einem, unter diesen widrigen Umständen einen Kompromiss zu finden, mit dem man sich eventuell vielleicht sogar aus der Umkleidekabine traut, kommt das einem Jackpot gleich. Und wenn nicht, gilt immer noch das erste Gebot des Hosenkaufs: Ich brauche keine größere Größe, das ist nur der Schnitt.
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