Diese Woche ist es wieder so weit: der Christkindlmarkt sperrt auf. Mir kommt es zwar erst wie gestern vor, dass ich noch meinem Milka Schmunzelhasen die Ohren abgefressen habe, aber die sich stetig weiter auftürmenden Lebkuchen-Berge im Merkur Markt können nur eines heißen: es ist Zeit, die Glühwein-Saison zu eröffnen.
Dafür dass ich passionierter Winterhasser bin, kann ich dem Christkindlmarkt erstaunlich viel abgewinnen. Vielleicht weil man da nicht wie bei allen anderen Winterbeschäftigungen irgendwo runterrutschen, entlangsausen oder drüberspringen muss, sondern einfach nur herumstehen und sich die Hände an seinem Becher wärmen darf. Die größte sportliche Herausforderung ist es da noch, die lecker Himbeeren aus dem Waldbeerpunsch zu fischen.
Außerdem gibt es am Christkindlmarkt viele andere tolle Sachen: dampfende Ofenkartoffeln, gebrannte Mandeln und ganz viel hässlichen Ramsch, den kein Mensch gebrauchen kann, den man aber im letzten Moment dann doch immer als Weihnachtsgeschenk für Oma in Erwägung zieht.
Überhaupt ist der Christkindlmarkt der eine soziale Anlass im Jahr, zu dem man plötzlich wieder mit Leuten zusammenkommt, die man sonst das ganze Jahr lang nicht sieht. Oft hat das zwar damit zu tun, dass diese Leute einem einfach 90% der Zeit furchtbar auf die Nerven gehen und man froh ist, wenn man sie 11 Monate im Jahr nicht zu Gesicht bekommt, aber in Glühwein-beschwingter Nächstenliebe schreibt man solchen Menschen dann doch wieder ein SMS: “19.30 Uhr vorm Kinderfreunde-Stand auf einen heißen Apfeltrunk mit Vodka?“.
Außerdem ist der Christkindlmarkt mittlerweile besser als jede Daily Soap – letztes Jahr durfte ich sogar beobachten, wie eine junge Beziehung schmerzhaft (!) daran zerbrach, dass sie ihm wutentbrannt einen Becher Glühwein ins Gesicht kippte – 1A Vorstellung!
Allerdings ist mir bewusst, dass ich diese ganzen schönen Dinge über den Christkindlmarkt nur so lange sage, bis ich das erste Mal dort war. Nach spätestens einer Stunde live vor Ort gehen mir die Menschenmassen auf die Nerven, die eine Hälfte meines Glühweins hat sich klebrig auf meine Hose verteilt, während die andere im Pappbecher innerhalb von 5 Sekunden zu einer kalten Glibbermasse erstarrt ist und mir bilden sich trotz Antarktischer Zwiebelschicht-Verpackung Eiskristalle am Hintern. Ich habe im Laufe der Jahre wirklich alles probiert: von der dicken Kinderstrumpfhose bis zum Ripp-Unterleiberl, von den Ringel-Stutzen bis zur idiotischen Ohrlappen-Haube – innerhalb von 10 Minuten verwandeln sich meine Extremitäten einfach jedes Mal in Kühlakkus, die ihre Temperatur zuverlässig über mehrere Stunden hinweg halten. Und es ist nur bedingt ratsam, in so einem Fall der alten Maxime „Je trink desto warm“ zu folgen!
Und trotzdem: für wenige Tage überwiegt noch die Vorfreude – und dieses Jahr trete ich den Kampf mit einem niegelnagelneuen Paar Power-Stiefel an, die mir hoffentlich die Zehennägel zum Glühen bringen!
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