Sonntag, 13. November 2011

Und jetzt mach ich den Werksmeister!

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte was Ordentliches gelernt. An Tagen, an denen der kreativste Slogan, der mir zu einem Produkt einfallen will, noch „Kauf mich!“ ist und der intellektuelle Witz meiner Texte mal wieder allen außer mir verborgen bleibt, überlege ich gern, ob ich nicht in einer anderen Karriere meine wahre Berufung gefunden hätte. Vielleicht wäre ich der perfekte Fleischhauer? Oder mit Humboldt zum Systemadministrator? Mein Berufseignungstest anno dazumal auf der BIM hatte schließlich ergeben, ich solle am Besten Klosterbruder werden...

In solchen schwachen Momenten muss ich allerdings nur kurz an meine diversen Ferien- und (Da)Nebenjobs zurückdenken und schon bin ich wieder geheilt und denke mir gern eine coole Headline zum Thema Achselhaar aus.

Beispielsweise war da dieser eine Sommer, als ich von einer kleinen Hundehütte an der O-Bus-Kehre aus Buskarten an unwissende Touristen verkaufte. Abgesehen von den 60 Minuten am Tag, an denen drei Reisebusladungen Chinesen auf einmal auf mich einstürmten, hatte der Job etwas ungemein Meditatives: man glaubt gar nicht, wie schnell man bei völliger Abgeschiedenheit von menschlichem Kontakt ein verschrobener, mit sich selbst diskutierender Waldkauz wird. Obwohl: da waren ja noch meine Freunde, die Goldkettchen-behangenen Busfahrer. Wenn sie zwischen ihren Fahrten Pause machten, gesellten sie sich gern zu mir an Fenster und berichteten der „Prinzessin von Salzburg Süd“ über ihre neuesten Heldentaten. Leider wurde daraus keine lebenslange Freundschaft, aber ich muss gestehen, dass ich mich, nachdem ich die Zeitung von hinten nach vorne gelesen, mein Führerschein-Lehrbuch drei Mal durch und einen 10-seitigen Brief an meine Brieffreundin in Mexico verfasst hatte, manchmal wirklich darauf freute, Besuch zu bekommen. Ein Ausnahmefall war dabei der gruslige Fahrer des Saugi-Autos, der auch regelmäßig bei mir einkehrte, aber das ist eine andere Geschichte.

Bei einigen anderen Jobs kam es gar nicht so weit, dass ich sie überhaupt antrat, weil das Vorstellungsgespräch schon so schrecklich war, dass ich schreiend davonlaufen wollte. Mit Schrecken denke ich beispielsweise an jene Agentur zurück, die wollte, dass ich während des Vorstellungsgesprächs bei Arnold Schwarzenegger anrufe, um ihm ihre Software zu verkaufen, oder die Firma, bei der ich darauf hingewiesen wurde, das es mich nicht stören dürfe, dass der Chef ab und zu nackt durchs Büro laufe.

Am Öftesten denke ich jedoch an meinen Sommerjob in der Heimtier-Hölle zurück. Wie jedes Jahr waren meine Freundinnen und ich viel zu spät mit unseren Ferialbewerbungen dran und mussten so mit jenen Jobs Vorlieb nehmen, die kein anderer wollte. Und so fanden wir uns einige schreckliche Wochen in einem Unternehmen für Haustierzubehör wieder. Die Elite der Mitarbeiter durfte dort graue von weißen und schwarzen Fellmäusen für Katzen auseinanderklamüsern, die Aufgabe des Fußvolkes war es jedoch, bis zum Abwinken Hundekauröllchen einzusackerln. Jeweils 20 von den bestialisch stinkenden, roten Stäbchen mussten abgezählt, in eine Packung gesteckt und dann mit jeweils drei Klammern aus einer mörderischen Appartur verschlossen werden – und das acht Stunden am Tag.

Das mag jetzt nach keiner großen intellektuellen Herausforderung klingen, aber ich will gar nicht zurückdenken an all die zerbrochenen Röllchen, zerrissenen Packungen, multiplen Klammerl-Infernos und angestanzten Finger. Das Schlimmste war jedoch, dass der atemberaubende Geruch der Kauröllchen resistent gegen jede Art von Seife war. Gingen wir also Abends nach der „Arbeit“ auf ein wohlverdientes Bier, ernteten wir regelmäßig schiefe Blicke und gerümpfte Nasen. Während unsere Freunde, die einen Ferialjob in der Bäckerei ergatterten hatten, nach Apfelstrudel dufteten, strömten wir ein penetrantes Parfum nach Hundefutter aus – viele Dates hatten wir in diesem Sommer nicht. Im Vergleich zu einem anderen Geruch war unser „Eau d’ Kauröllchen“ jedoch noch heilig: Unvergessen bleibt jener Tag, an dem sich eine von uns aus lauter Kauröllchen-Überdruss freudig freiwillig dazu meldete, eine Packung Ochsenziemer abzuzählen. Und all jenen, die wie wir damals keine Ahnung haben, was ein Ochsenziemer ist, wünsche ich jetzt viel Spaß beim Googeln – es lohnt sich.

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