Montag, 7. November 2011

Feiern bis das Sandmännchen kommt

Mit Frauen über 30 kann man nicht nur nicht mehr verstecken spielen (weil sie – wie mir ein Gratulant zu meinem 30er glaubhaft versichert hat – keiner mehr sucht), man kann auch nicht mehr mit ihnen fortgehen. Ich will hier nicht alle in einen Topf werfen – bewundernd ziehe ich meine Haube vor einigen Freundinnen, die noch wie ein junges Reh bis 06.00 Uhr früh auf der Tanzfläche herumhüpfen – aber bei mir übernimmt mittlerweile spätestens ab Mitternacht die Gravitationskraft ihre eisenharte Kontrolle über meine Augenlider.

Fortgehen schaue ich mir heutzutage im Fernsehen an und Freunde drohen mir schon vor einem Treffen damit, dass ich mir nicht einzubilden brauche, „wieder um 11 heim schlafen“ zu gehen. Dabei ist es ja nicht so, dass ich mit Absicht verfalle, es ist nur so... wahnsinnig... schwierig, sich... so spät noch... zu.... hhhhrccccchhh....

Wann bin ich nur so alt geworden, dass es kein Problem mehr ist, den letzten Bus zu erwischen? Wer ist diese Frau, die sich bei Konzerten manchmal wünscht, es gäbe eine Pensi-Ecke mit Bestuhlung (oder sie wäre jetzt zu Hause auf der Couch bei „Wetten, dass...?“)?!

Früher waren mit dem Zaubermittel Alkohol noch wahre Heldentaten möglich – heute führt sogar dieser nur dazu, dass man noch im Lokal in einen komaähnlichen Stupor verfällt, sich danach abwechselnd schlaflos im Bett wälzt und aufs Klo rennt und am nächsten Morgen kaum fähig ist, ohne Kotztüte die Stiege runterzuwanken.

Bekanntlich soll man das (Bier)Glas ja aber immer halb voll sehen – und deswegen freut es einen dann umso mehr, wenn man es mal unter der Woche nicht mehr rechtzeitig zu Constanze Rick nach Hause schafft oder bei einer Party die Letzte ist, die noch auf der Tanzfläche zu Limahl die Hände in den Himmel wirft. Dass das meistens nur daran liegt, dass alle anderen vor lauter Peinlichkeit bereits das Lokal verlassen haben, ist in diesem Falle irrelevant.

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