Donnerstag, 31. Januar 2013

An dich


Wenn die Sonne hervorbricht
Und mich die Augen zukneifen lässt

Wenn der Wind nach Ozean riecht
Und die Schwere mich verlässt

Wenn die Zeit plötzlich still steht
Und alles macht Sinn

Wenn Lachen die Angst verweht
Und ich weiß, wer ich bin

Dann denk ich an dich

Und fühle mich glücklich

Und dankbar

Und träum nicht für mich

Montag, 21. Januar 2013

(No) smoke on the water


Manchmal wär ich gerne Raucher. Ich finde den Geruch zwar ekelerregend, die gesundheitlichen Folgen bedenklich und den Preis einer Schachtel Zigaretten astronomisch, aber der soziale Aspekt spricht mich einfach an. Schon in jungen Jahren war „Hast du mal Feuer?“ ein bombensicherer Anmachspruch (ich gebe jetzt nicht zu, dass ich deswegen als Nichtraucher eine Zeit lang immer ein Feuerzeug mit mir in der Tasche herumtrug), jede sinnlose Wartezeit kann mit einem kleinen Zigarettchen überbrückt werden und die völkervereinigende Komponente ist auch nicht zu unterschätzen. Schließlich schaut man beim alltäglichen „Gemma eine rauchen“ in der Arbeit als Nichtraucher immer wieder durch die Finger, wenn man sich nicht mit einer Schokozigarette dazustellen möchte.

Es ist ja nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Mit 14 war mein gesamter Freundeskreis mindestens ein Monat damit beschäftigt, mir das Rauchen beizubringen. In stundenlangen Lehrgängen versuchten sie mir im berühmten „Hccccchhh! Die Mama kummt!“-Verfahren näherzubringen, wie genau das Inhalieren einer Zigarette vonstatten zu gehen hatte. Kurz hat das auch funktioniert und ich war für ca. 5 Minuten extrem stolz darauf, jetzt auch zu den coolen Kids zu gehören – bis mir das Ganze schwallartig wieder hochkam und ich eine dampfende Pizza auf den Gehsteig legte. Und schon war’s mit dem cool sein wieder vorbei – denn das Gesetz der Natur verlangte es natürlich, dass immer genau in diesem Moment der Schwarm vorbeikam, den man eigentlich lässig als mystische Raucher-Lady und nicht als jämmerliche Spei-Fontäne hatte beeindrucken wollen.

Nachdem meine Karriere als kettenrauchende Coolness-Queen also gescheitert war, brauchte ich ein – oder besser gleich zwei! – andere Laster. Und ich musste sie mir hart erkämpfen! So war für mich Kaffee anfangs ein Gräuel. Bei dem bitteren Geschmack kam mir sofort die Galle hoch und von Genuss war ich so weit entfernt wie ein Eisbär von Honolulu. Ich war jedoch so fasziniert davon, wie andere genießerisch ihre Hände am dampfenden Becher wärmten, wie sie durch ein paar Schlucke in der Früh zu neuer Lebenskraft erweckt wurden und wie sie sich täglich mit den Worten „Gehst mit auf an Kaffee?“ davonmachten, um bestimmt ohne mich um die Kaffeemaschine gescharrt die heißesten Neuigkeiten zu besprechen, dass ich mich einfach dazu zwang, das schwarze Gesöff zu mögen. Mit einer bewundernswerten Ausdauer pilgerten meine einzige andere Kaffee-abstinente Freundin und ich also von da an regelmäßig ins Kaffeehaus und zwangen uns, wenigstens eine Tasse von der Plörre runterzubekommen. Anfangs benötige es dazu pro Tasse etwa einen halben Liter Milch und 5 Stück Würfelzucker, aber schon nach ein paar Monaten begann unser Projekt Früchte zu tragen. Endlich fing der Kaffee auch an, uns zu schmecken und wir gehörten jetzt dazu. „Hast du schon einen Kaffee gehabt?“, „Treff ma uns morgen auf an Kaffee?“, „Ma, jetzt war a Kaffee guat!“ – all diese Sätze gingen uns von da an mit stolzgeschwellter Brust von den Lippen.

Damit nicht genug, musste auch noch das Laster Alkohol daran glauben. Der Gruppenzwang erlaubte es uns einfach nicht, bei Almdudler zu bleiben und so begann dasselbe Spielchen wie beim Kaffee. Das erste Bier war einfach nur ekelerregend – weg musste es trotzdem! Ich kann mich noch gut erinnern, als wir uns damals zu viert ein Cola Rum bestellten und uns darum stritten, wer am meisten davon trinken musste, weil wir es so grausig fanden – hach, was waren das noch für Zeiten! Leider entdeckten wir kurz darauf dann Baileys. Wer schon mal einen Baileys-Rausch hatte (was ehrlich schwierig ist, da man sich im Normalfall vorher übergibt oder an Zuckerschock stirbt), weiß dass man sich am nächsten Tag aus tiefstem Herzen wünscht, man wäre Anti-Alkoholiker geblieben. Die Hemmschwelle war damit aber gefallen und wir starteten ab da diverse Feldversuche dazu, ob es uns mit Saurem Apfel, Ribiselwein, Tequila oder Bier am nächsten Tag besser ginge. Nachdem wir einstimmig festgestellt hatten, dass dem nicht so war, wünschten wir uns alle, wir hätten mit dem Blödsinn gar nie angefangen. Andererseits ist komplett lasterfrei ja auch irgendwie langweilig - also, sonst noch jemand einen Kaffee?