Montag, 18. Juni 2012

Gesundheit!

Es war lange überfällig: ein Plädoyer für alle Nieser dieser Welt. Ein Niesen ist viel mehr als nur eine unfreiwillige Rotzexplosion. Ein Niesen ist wie deine persönliche Visitenkarte in Tröpfchenform!

Der Mainstream-Nieser

Ein Durchschnitts-Nieser durch und durch. Mittlere Lautstärke, mittlere Tonlage, mittlerer Feuchtigkeitsausstoß. Alles mittel. Nicht mal bei der Intonation sticht er aus der Masse hervor: außer „Hatschi“ oder „Hatschu“ ist nicht viel drin. Der Mainstream-Nieser braucht sich für sein Niesen zwar nie zu schämen, er wird aber auch nie zum lustigsten Bürokollegen gekürt werden.

So klingt er: „Hatschi!“, „Hatschu!“

Der Maschinengewehr-Nieser

Vollkommen ohne Vorwarnung legt der Maschinengewehr-Nieser mit einer Salve an meist explosiven, kleinen Nieserchen los, die oft über einen Zeitraum von mehreren Sekunden bis Minuten gehen können. Größter Fehler bei einem Maschinengewehr-Nieser: bereits nach dem ersten „Hatschi“ „Gesundheit“ wünschen – lieber erst mal 5 Minuten warten – da kommt noch was! Der Maschinengewehr-Nieser fällt nicht durch die Lautstärke seiner Explosionen auf, sondern durch die stete und ununterbrochene Kette militanter Knallgeräusche.

So klingt er: „Ha....tschitschitschitschi.....aaaahhh.. tschischi!“

Der Brüll-Nieser

Ein Nieser wie ein Rufezeichen: Der Brüll-Nieser ist besser als jeder Wecker, jede Sirene und jeder Prangerstutzen. Aus dem Nichts hebt er mit einem Schrei an, der Wände erzittern, Scheiben erbeben und Kollegen vom Sessel kippen lässt. Wird er beschuldigt, den Herzinfarkt eines Nebensitzers verschuldet zu haben, beteuert er, dass er „einfach nicht leiser könne“. Gerne auch gefolgt von einem Trompeten-Stoß-artigen Rotzauswurf in ein kariertes Taschentuch.

So klingt er: „Hatschaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!“

Der Implosions-Nieser

Der Implosions-Nieser ist quasi das Kleingedruckte unter den Niesern: man muss schon ganz genau aufpassen, damit man ihn auch bemerkt. Fast heimlich entfleucht dem Nieser ein verhuschter Laut, der ein leises Niesen oder aber auch das Rascheln der Büropflanze sein könnte. Der Implosions-Nieser ist nicht nur deshalb zu bemitleiden, weil es ihm ob solch massiver Zurückhaltung wahrscheinlich sämtliche inneren Organe zerfetzt („Dr. Shepherd, bereiten Sie OP 5 vor. Wir bekommen einen akuten Implosions-Nieser mit rupturiertem Perikard herein!“), sondern auch, weil ihm fast nie jemand Gesundheit wünscht – könnte ja auch ein Schmunzeln, Strecken oder Gähnen gewesen sein.

So klingt er: „(...hnntschi)“

Der Gruß-Nieser

Eine extrem seltene Spezies unter den Niesern, gleichzeitig jedoch die schönste. Der Gruß-Nieser schafft es, jedes Niesen freundlich klingen zu lassen. Mit beschwingtem Tonfall setzt er an und trällert einen Nasen-Gruß hinaus, der klingt wie aus einer IKEA-Werbung. Fast möchte man sich wünschen, dass dieser Nieser öfter Schnupfen hat, einfach weil’s so heimelig klingt.

So klingt er: „Hatsch-Hey!“


Wenn dein persönlicher Nieser in dieser Aufzählung nicht dabei war, schreibe ihn mir doch bitte als Kommentar zu diesem Eintrag. Vielleicht können wir dann gemeinsam für die gesammelte Enzyklopädie des Niesens in 24 Bänden berühmt werden!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Nur die Harten kommen in den Garten

Ich habe alles andere als einen grünen Daumen. Wären sie noch am Leben, könnten zahlreiche Topfpflanzen das bezeugen. Vom „pflegeleichten“ Geldbaum bis zum „unkaputtbaren“ Kaktus – trotz (oder gerade wegen) meines liebevollen Zuspruchs sind sie alle viel zu jung von uns gegangen.

Ein scheint also eine recht brisante Kombination, dass ausgerechnet ich jetzt einen „Garten“ habe. Die Anführungszeichen deswegen, weil er sowohl in Größe als auch Ausstattung nicht dem gängigen Bild einer landläufigen Grünfläche entspricht. Nichtsdestotrotz sind wir wild entschlossen, ihn in nichts Geringeres als die Kew Gardens von Puch Urstein zu verwandeln.

Zum Glück hat zumindest mein Freund ein Händchen für Grünes, aber oft kommt mir vor, dass meine mentale Zerstörungskraft (der im Übrigen mittlerweile auch schon der zweite Wecker zum Opfer gefallen ist) schon durch bloße Blicke ihr Teufelswerk vollbringt.

Wobei man einräumen muss, dass unser „Garten“ nun wirklich nichts für Amateure ist. Die Vorbesitzer hatten wohl eher das Thema „Wild Chic“ im Kopf, als sie den Briefmarken-großen Garten mit zwei ausladenden Buschen Elefantengras ohne Rhizomsperre, einem brackigen Plastikteich und zahlreichen Souvenirs verzierten.

Für all jene, denen die Worte Elefantengras und Rhizomsperre nichts sagen: Ersteres wuchert ohne Zweiteres wie Sau und lässt sich auch durch brutales Ausrupfen, Ertränken und Vergiften nicht davon abhalten, munter durch die gesamte Siedlung zu sprießen, um dort das eine oder andere Fundament zu sprengen.

Nachdem wir in mühevoller Kleinarbeit also erst mal den brackigen Teich ausgeschaufelt und von Topinambur-Knollen über Deko-Fische und Biergläser so ziemlich alles ausgegraben hatten, was die Vorbesitzer nicht mehr mitsiedeln wollten, bleibt unser größter Feind, das Elefantengras, weiterhin bestehen. Rupfen wir es einen Tag nicht aus, ist es wieder 10cm gewachsen und wird wohl eines Tages plötzlich fröhlich von unten aus unserer Kloschüssel sprießen.

Dazugesellt haben sich mittlerweile auch einige andere Schrecken des Gartenfreunds: von Schneckenfraß über Oleanderkrebs bis hin zur Schaumzikade und der Nachbarskatze (die durch hartnäckiges Plattsitzen unser vermeintlich unzerstörbares Maggikraut auf dem Gewissen hat) bedrohen zahlreiche Gefahren unser mickriges Stückchen Rasen.

Und trotzdem haben wir es mittlerweile geschafft, uns vom hässlichsten Garten der Siedlung auf den nur noch zweithässlichsten vorzuarbeiten – und auch wenn wir vor lauter Elefantengras-Rupfen noch den Verstand verlieren sollten: eines Tages werden wir ganz stolz in unserem Garten sitzen. Ganz ohne Anführungszeichen.

Another one bites the dust...