Sonntag, 27. November 2011

Wenn einer eine Reise tut... Teil 5: Algarve

Als notorischer Wintersport-Verweigerer und genereller Kältehasser bleiben mir während der Weihnachtsfeiertage nur wenige andere Optionen, als mich zu Hause in meine Kuscheldecke einzuigeln und mich bis zum Boden der Keksdose vorzuarbeiten. Da das 7 Tage am Stück auch keine ideale Freizeitbeschäftigung ist, gibt es nur noch einen Ausweg: raus aus dem Winter und irgendwo hinfahren, wo’s warm ist. Nachdem ich jedes Jahr wieder voller Gram feststellen muss, dass die Malediven um 200 Euro einfach nicht drin sind, müssen Kompromisse geschlossen werden und so landeten wir vor einigen Jahren über Silvester an der Algarve in Portugal.

Nachdem wir dort bei 17°C und Sonnenschein am Strand gelegen waren und in unserem 3-Zimmer-Apartment um insgesamt 50 Euro die Welt generell sehr genossen hatten, beschlossen wir das Jahr darauf, diese geniale Idee zu wiederholen.

Nur hatten wir dieses Mal die Rechnung ohne den Wirt bzw. den Wettergott gemacht, der uns dieses Jahr statt mediterranem Sonnenschein eine gesamte Woche Dauerregen und recht ähnlich trübe Temperaturen wie zu Hause bescherte. In unserem Apartment streikte regelmäßig die Heizung, bei der Terrassentür lief das Wasser herein und unsere Herdplatte brauchte nicht übertriebene 30min, um das Wasser für zwei Tassen Kaffee heiß zu machen.

Wir beschlossen jedoch, uns nicht so einfach geschlagen zu geben und per Mietauto trotzdem die Gegend zu erkunden. Schließlich lässt es sich mit der richtigen Einstellung auch bei strömendem Regen und peitschendem Wind gut einen Strandspaziergang machen!

So verschlug es uns eines Tages in das Hinterland der Algarve, wo wir uns auf sich windenden Gässchen bis hinauf ins Bergdorf Monchique verirrten. Wie wir schnell feststellen mussten, gab es in dem menschenverlassenen Ort nicht allzu viel zu bestaunen, besonders da auch kleine Bäche und Wasserläufe bei Dauerregen nicht ihren gesamten Charme zu entfalten wissen.

Durchnässt und mäßig motiviert machten wir uns also nach nur ca. 20min wieder auf den Weg zurück zum Auto. Wo wir feststellen mussten, dass eben dieses jetzt ein Loch mehr, dafür aber einiges weniger an Inhalt zu bieten hatte: ein handwerklich begabter Portugiese hatte mit seinem Baumax-Bohrer ein Loch in unsere Autotür gezaubert und sich für seine schöne Arbeit selbst mit unserem Rucksack und Navi belohnt.

In höchster Auflösung stürmten wir in den nächsten Touri-Laden und heulten der völlig emotionslosen Verkäuferin (die wahrscheinlich vorher die Handwerker höchstpersönlich davon informiert hatte, dass vor ihrer Tür gerade ein besonders schönes Mietauto zur Zerbohrung bereitstehen würde) vor, dass unser car gerade aufgebroken worden war und wir dringend die police benötigten. Glaubhaft versicherte uns die Verkäuferin, dass ihr das vollkommen am Arsch vorbeiginge und verwies uns in das ca. 20min entfernte „Zentrum“ von Monchique zur Polizeistation.

Dort angekommen spielten die beiden Land-Gendarmen erst mal Schere-Stein-Papier, wer von ihnen uns bedienen durfte. Der junge Mann, der offensichtlich den Kürzeren gezogen hatte, setzte sich mit einem tiefen Seufzer zu uns und deutete mit Jammermiene auf den Computer. Ob das nun hieß, dass sie gerade ein neues Programm bekommen hatten, mit dem sich noch niemand auskannte, oder dass sie diese Woche gerade neu von Pergament und Federkiel auf das Teufelsding Computer umgestiegen waren, konnten wir nur erahnen.

Nach einigem Sesselrücken nahm das Unglück seinen Lauf. Basierend auf exzellenter internationaler Kommunikation (da uns weder Bier noch Kuchen gestohlen worden war, reichten meine Portugiesisch-Kenntnisse für diesen Sachverhalt nicht aus, und auch die Englisch-Kenntnisse des Herrn Gendarm dürften einzig aus dem Teleshopping-Kanal erworben gewesen sein) brachen nun einige der schlimmsten Stunden meines Lebens an. Ja, Stunden.

Mir fällt es schwer, die abgelaufene Szenerie in ihrem ganzen schrecklichen Ausmaß zu beschreiben, da es mir leider nicht möglich ist, schriftlich das unglaubliche Zeitlupen-Tempo wiederzugeben, in dem der Polizist unsere Anzeige aufnahm. Per Ein-Finger-System tippte er in jedes Feld stundenlang die eloquentesten Romane ein, nur um am Schluss draufzukommen, dass er aus Versehen alles groß geschrieben hatte und mit einem verärgerten Schnaufer das gesamte Feld nochmals von vorne ausfüllte. Gefühlte 100 Felder später stürzte ihm beim Versuch des Ausdruckens dann auch noch das gesamte Formular ab und der ganze Spaß begann von vorne.

Es klingt jetzt, als hätte ich dieses Detail erfunden, aber ich schwöre bei Gott es ist wahr: an einem Punkt der Tortur krabbelte aus dem Hemdkragen des Herrn Gendarm plötzlich eine kleine Spinne, die in Seelenruhe auf seiner Schulter herumspazierte. An diesem Punkt verlor ich vollends die Kontrolle über mich und meinte, schreiend durch das gesamte Portugiesische Bergland laufen zu müssen, weil ich der festen Überzeugung war, dass ich der Spinne jetzt dabei zuschauen würde, wie sie sich im Laufe der nächsten Stunden ein schönes Netz vom Hemdkragen des Herrn Gendarm über den gesamten Computer bis hin zum Drucker spinnen würde.

Sage und schreibe 3 Stunden später verließen wir als gebrochene Menschen die Polizeiwachstube und machten uns in unseren zerbohrten Auto auf den Rückweg zu unserem Apartment. Nach einer beruhigenden Menge Alkohol und einer Nacht mehr oder weniger erholsamen Schlafes ging es uns schon besser: es war ja immerhin nichts Schlimmeres passiert, als dass wir ein Navi, einen Rucksack, ein Stativ und – wenn auch sehr tragisch – den berühmten Schlüsselanhänger aus Teil 1 dieser Serie verloren hatten. Noch dazu schien an unserem heutigen letzten Tag das erste Mal die Sonne und wir beschlossen, das noch richtig auszunutzen.

Mit guter Laune setzten wir uns also zum Frühstück und planten den Tag, als Sandro plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufsprang und begann, seine gesamten Habseligkeiten zu durchforsten. Und nach einigen Minuten Ausnahmezustand erfuhr ich auch warum: ihm war gerade eingefallen, dass in dem gestohlenen Rucksack doch noch eine Kleinigkeit gewesen war, die wir auf der Polizeiwachstube anzugeben vergessen hatten – unsere österreichischen Wohnungs- und Autoschlüssel.

Es war schlimm genug, dass wir zu Hause nun die Schlösser unserer Wohnung würden austauschen müssen (immerhin brauchte der portugiesische Bohrmeister nur in sein neues Navi „Navigieren zu - nach Hause“ eintippen, um direkt zu jener Wohnung gefahren zu werden, die er mit dem mitgelieferten Schlüssel aufsperren konnte) und auch keine Ahnung hatten, wie wir in unser Auto kommen sollten, das versperrt im Schnee am Münchner Flughafen stand, während unser Reserveschlüssel gemütlich in der Wohnung lag, die wir jetzt nicht mehr aufsperren konnten, da auch unser zweiter Wohnungsschlüssel eben dort drinnen lag – das Schlimmste an der ganzen Situation war, dass wir noch mal in das Polizei-Inspektorat Monchique mussten.

Anstatt unseren letzten Urlaubstag also in der Sonne zu verbringen, erlebten wir ein weiteres Mal die Slowmo-Hölle von Monchique – dieses Mal dank des Umstands, dass ein zusätzliches gestohlenes Objekt nicht einfach auf die Liste hinzugefügt werden konnte, sondern das Anlegen eines komplett neuen Berichts erforderte, sogar rekordverdächtige 3 ½ Stunden lang.

Unsere Habseligkeiten haben wir nie wieder gesehen, beim Autovermieter mussten wir für unser Loch noch 100 Euro löhnen und die neuen Schlösser zu Hause kosteten und noch mal 200 Euro obendrauf – aber am meisten trauere ich den 6 ½ Stunden meines Lebens nach, die mir der Polizeimeister von Monchique gestohlen hat. Vielleicht sollte ich ihn dafür anzeigen.

Feinste Portugiesische Handwerkskunst

Auch dieser Tourist ließ sich nicht vom Wetter abschrecken - wer braucht schon eine Hose?!

Freitag, 18. November 2011

Denn ich bin dein Tag, und heute bin ich Schwein

Manche Tage lassen einen einfach schon in den ersten Sekunden wissen, dass da nix Besseres nachkommt. Leider kann man solche Tage aber nur sehr selten zu Hause unter der Bettdecke verbringen, sondern muss auch noch hinaus in die Welt, mit all ihren Leuten, Autos und anderen nervigen Dingen.

Es soll ja Leute geben, die sich in solchen Situationen morgens trotzdem im Spiegel angrinsen und sagen „Heute wird ein toller Tag!“ Im Sinne einer Self-fulfilling Prophecy mag das durchaus Sinn machen, ich kann mich dazu trotzdem nicht überwinden.

Vielmehr versuche ich den Blick in den Spiegel an solchen Tagen generell zu vermeiden, da dabei meistens ohnehin nur ein weiterer Bad-Hair-Day zu Tage kommt. Und sollte ich mich doch unabsichtlich im Spiegel erblicken, knurre ich mich höchstens böse an und stelle fest, dass ich genauso aussehe, wie ich mich fühle: Scheiße.

Nachdem mir beim Zähneputzen die Tube explodiert ist und ich beim Griff nach dem Handtuch sämtliche Fläschchen und Behälter von der Ablage gefegt habe, trete ich mir beim Stiegen steigen selbst auf das zu lange Bein jener Hose, die mich gerade vorher wieder mal nur mit äußerster Not den obersten Knopf schließen hatte lassen, und reiße mir dabei ein Loch in die Jacke.

Nachdem ich hierauf ca. 20min lang versucht habe, mit meinem Werbegeschenks-Schaber das Blitzeis von meinem Auto zu entfernen und mir dabei halb die Schulter ausgekegelt habe, fahre ich grob verspätet in Richtung Arbeit los. Einen naiven Moment lang denke ich mir, ich könnte die Verspätung noch aufholen, während just in diesem Augenblick ein Traktor, Betonmischwagen, Klein-LKW und 40km/h-Auto vor mir auf die Strasse biegen.

Nähere ich mich einer Ampel, springt sie lachend sofort auf rot, während gleichzeitig meine Benzinfüllstandsanzeige beginnt, in der selben Farbe zu leuchten. Logischerweise ist ab jetzt auf den nächsten 30km keine offene Tankstelle mehr zu finden. In Hintertupfing finde ich dann – kurzzeitig daran glaubend, dass der Tag nun besser würde – doch noch eine offenen Tanke und pumpe rein was geht. Als ich dem verschrobenen Tankstellen-Bauer jedoch meine Bankomatkarte reiche, lächelt er nur milde und meint: „Mir nehman nur Bores!“. Ein Blick in die Geldtasche verrät daraufhin folgenden Kontostand in Bar: 52 Cent. Freundlich zum nächsten Bankomaten im 10km entfernten Vorderhintertupfing verwiesen, lasse ich also meinen Führerschein als Pfand zurück und fahre in die tiefste Pampa, um dort Geld abzuheben, wieder zurückzufahren, mein Benzin zu bezahlen und mich weiter auf den Weg in die Arbeit zu machen.

Irgendwann komme ich dann auch meistens dort an. Und während ich meinen Computer hochfahre, denke ich einfach ganz fest daran, dass auf Regen ja bekanntlich immer Sonnenschein folgen soll.

Dienstag, 15. November 2011

Glühwein für alle!

Diese Woche ist es wieder so weit: der Christkindlmarkt sperrt auf. Mir kommt es zwar erst wie gestern vor, dass ich noch meinem Milka Schmunzelhasen die Ohren abgefressen habe, aber die sich stetig weiter auftürmenden Lebkuchen-Berge im Merkur Markt können nur eines heißen: es ist Zeit, die Glühwein-Saison zu eröffnen.

Dafür dass ich passionierter Winterhasser bin, kann ich dem Christkindlmarkt erstaunlich viel abgewinnen. Vielleicht weil man da nicht wie bei allen anderen Winterbeschäftigungen irgendwo runterrutschen, entlangsausen oder drüberspringen muss, sondern einfach nur herumstehen und sich die Hände an seinem Becher wärmen darf. Die größte sportliche Herausforderung ist es da noch, die lecker Himbeeren aus dem Waldbeerpunsch zu fischen.

Außerdem gibt es am Christkindlmarkt viele andere tolle Sachen: dampfende Ofenkartoffeln, gebrannte Mandeln und ganz viel hässlichen Ramsch, den kein Mensch gebrauchen kann, den man aber im letzten Moment dann doch immer als Weihnachtsgeschenk für Oma in Erwägung zieht.

Überhaupt ist der Christkindlmarkt der eine soziale Anlass im Jahr, zu dem man plötzlich wieder mit Leuten zusammenkommt, die man sonst das ganze Jahr lang nicht sieht. Oft hat das zwar damit zu tun, dass diese Leute einem einfach 90% der Zeit furchtbar auf die Nerven gehen und man froh ist, wenn man sie 11 Monate im Jahr nicht zu Gesicht bekommt, aber in Glühwein-beschwingter Nächstenliebe schreibt man solchen Menschen dann doch wieder ein SMS: “19.30 Uhr vorm Kinderfreunde-Stand auf einen heißen Apfeltrunk mit Vodka?“.

Außerdem ist der Christkindlmarkt mittlerweile besser als jede Daily Soap – letztes Jahr durfte ich sogar beobachten, wie eine junge Beziehung schmerzhaft (!) daran zerbrach, dass sie ihm wutentbrannt einen Becher Glühwein ins Gesicht kippte – 1A Vorstellung!

Allerdings ist mir bewusst, dass ich diese ganzen schönen Dinge über den Christkindlmarkt nur so lange sage, bis ich das erste Mal dort war. Nach spätestens einer Stunde live vor Ort gehen mir die Menschenmassen auf die Nerven, die eine Hälfte meines Glühweins hat sich klebrig auf meine Hose verteilt, während die andere im Pappbecher innerhalb von 5 Sekunden zu einer kalten Glibbermasse erstarrt ist und mir bilden sich trotz Antarktischer Zwiebelschicht-Verpackung Eiskristalle am Hintern. Ich habe im Laufe der Jahre wirklich alles probiert: von der dicken Kinderstrumpfhose bis zum Ripp-Unterleiberl, von den Ringel-Stutzen bis zur idiotischen Ohrlappen-Haube – innerhalb von 10 Minuten verwandeln sich meine Extremitäten einfach jedes Mal in Kühlakkus, die ihre Temperatur zuverlässig über mehrere Stunden hinweg halten. Und es ist nur bedingt ratsam, in so einem Fall der alten Maxime „Je trink desto warm“ zu folgen!

Und trotzdem: für wenige Tage überwiegt noch die Vorfreude – und dieses Jahr trete ich den Kampf mit einem niegelnagelneuen Paar Power-Stiefel an, die mir hoffentlich die Zehennägel zum Glühen bringen!

Sonntag, 13. November 2011

Wenn einer eine Reise tut... Teil 4: Murter

Krönender Abschluss unserer Kreuz-und-quer-Fahrt durch Dalmatien sollten einige Tage auf der Insel Murter werden. Für den ultimativen Romantik-Kick hatten wir uns ein Fischerhäuschen gemietet: ein winziges Steinhäuschen ohne Strom, Licht und fließend Wasser, mitten an einer einsamen Bucht in der kroatischen Pampa.

Zu unserem Knusperhäuschen wurden wir stilecht per Fischerboot gefahren – vorbei an etlichen Deutschen Pensionisten, die unweit unseres Domizils ihrer FKK-Lust frönten. Angekommen in unserem neuen Heim machte uns unsere Vermieterin mit Händen und Füßen (ihr Englisch beschränkte sich auf ca. 5 Worte, unser Kroatisch auf 0) klar, dass sie erst mal das Haus putzen müsse. Wir und unsere Rucksäcke wurden also kurzerhand gemeinsam mit einem Plastikcontainer selbstgepanschtem Rotwein auf die Terrasse verfrachtet. Nach etwa einer Stunde, in der wir schon gut beschwipst und glücklicherweise nicht erblindet waren, teilte uns die kroatische Mutti mit, dass wir offensichtlich einen Mitbewohner hatten: „Is mouse! You fraid?“

Lächelnd winkte ich ab und ließ die Vermieterin mit ihrem Tucker-Boot von Dannen ziehen. So eine Maus, das war doch etwas Niedliches! In Gedanken sah ich mich das kleine Ding schon mit Käsewürfeln zum süßen Streichelmäuschen zähmen – famous last words.

Bereits in der ersten Nacht hatte sowohl die Vorstellung des Wildnis-Urlaubs als auch die der niedlichen Mickey Maus jegliche Romantik verloren. Kerzengerade lagen wir in unserem Bett, umgeben von finsterster kroatischer Nacht, die nur von diversen Quietsch- und Kratzgeräuschen durchbrochen wurde. Wenn man nicht einmal mindestens 5km vom nächsten Haus ohne Lichtschalter in der Pampa verbracht hat, hat man vermutlich keine Vorstellung davon, wie es ist, um 03.00 Uhr früh mit einer Stirnlampe und einem Buttermesser bewaffnet ums Haus zu schleichen, weil man meint, gerade einen Einbrecher am Fenster gehört zu haben. Und auch nicht, wie es ist, um 04.00 Uhr, 05.00 Uhr und 06.00 Uhr früh das gesamte Haus auf den Kopf zu stellen, weil man mit ebendiesem Buttermesser die Maus zu lynchen versucht, weil sie beim genüsslichen Naschen der gesamten Küchenkastl-Innenverkleidung eine Geräuschkulisse wie bei der Raubtierfütterung produziert.

Als wir nach dieser ungemein erholsamen Nacht am nächsten Tag das Bett verließen und unsere gesamten Habseligkeiten mit dekorativen Mäuse-Kackwürstchen verziert vorfanden, war eines klar: einer würde diesen Urlaub nicht überleben, entweder wir oder die Maus.

Da mitten in der Pampa Mäusefallen-Shops bekanntlich spärlich gesät sind, mussten wir improvisieren. Den Kampf eröffneten wir mit der Anfänger-Mausefalle schlechthin: einen Topf verkehrt herum mit einem kleinen Holzstück darunter aufstellen, an dem ein Stück Schnur und daran wiederum ein Würfelchen Brot befestigt ist.

Plan: Maus zieht beim Fressen des Brots an der Schnur, Schnur zieht Holz unter Topfrand weg, Topf fällt runter – Klappe zu, Affe tot bzw. Topf zu, Maus gefangen.

Die Realität sah dann allerdings so aus: Maus beisst Schnur ab, spaziert gemütlich mit Brot wieder hinaus und lacht sich ins Fäustchen. Maus 1, Sandro & Susi: 0.

So schnell gaben wir uns allerdings nicht geschlagen. Nachdem wir nach zwei weiteren schlaflosen Nächten mittlerweile nur noch von dem Gedanken besessen waren, das Viech langsam und qualvoll zu töten und unseren gesamten Urlaub nur mehr dafür aufwandten, uns Pläne für Mausefallen auszudenken, sagten wir der Maus mit dem Mercedes unter den selbstgebauten Apparaten den Krieg an.

Testaufbau wie folgt: Leere Plastikflasche mit Brotstückchen drin liegt waagrecht so am Rand eines Kartons, das sie haarscharf nicht hinunterfällt – Maus sieht Brot, denkt „Geil!“, läuft in Flasche, Flasche kriegt Übergewicht, fällt runter und steht jetzt senkrecht am Boden – Maus am Boden gefangen, denkt „Scheiße, warum hab ich keine Flügel“. So weit, so gut.

Stolz wie Oscar setzten wir uns auf die Terrasse und warteten mit diebischer Freude darauf, dass das dumme Vieh in sein Verderben lief. Tatsächlich tat es wenige Minuten später schon einen Rumpler und wir stürmten zu unserer Apparatur – nur, um die Maus gerade noch dabei zu erwischen, wie sie rückwärts (!!!) mit dem Stück Brot wieder aus der Flasche trippelte und in ihrem Loch verschwand.

Gut, unser Fehler: die Flasche war nicht komplett umgefallen und hatte der Maus deswegen noch einen - wenn auch steilen - Ausweg beschert. Nachdem wir den Aufbau so vergrößert hatten, dass mittlerweile das halbe Fischerhäuschen mit Kartons zugebaut war, wurden wir am nächsten Tag mit folgendem Anblick belohnt: Flasche steht senkrecht im Raum, Brot weg, Maus weg. Nur eine einsame Kackwurst verhöhnte uns vom Boden der Flasche aus. Wir hatten keine Ahnung, wie die Maus es geschafft hatte, aus der stehenden Flasche wieder rauszukommen, aber eines war klar: diese Maus war entweder gentechnisch mutiert oder hochbegabt.

Nachdem der Wahnsinn nun vollends von uns Besitz ergriffen hatte, bastelten wir auch noch eine Deluxe-Variante, bei der sich bei Umfallen der Flasche mittels Steinchen-Blei ein Korkendeckel über den Verschluss der Flasche legte – ebenfalls vergeblich.

Nach fünf Tagen Fischerhäuschen waren wir nervlich am Ende, die Maus immer noch glücklich am Leben und ich vom Tierfreund zum Tierhasser mutiert.

Bis zum Schluss haben wir das Vieh nicht gefangen, was dafür spricht, dass ihr erbsengroßes Hirn einfach leistungsstärker als unsere beiden zusammen war. Und eines steht fest: den schönsten Urlaub von uns drei hatte die Maus – eine Woche All You Can Eat am Brot-Buffet.

Tatort Maushausen

Apparatur des Todes

Und jetzt mach ich den Werksmeister!

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte was Ordentliches gelernt. An Tagen, an denen der kreativste Slogan, der mir zu einem Produkt einfallen will, noch „Kauf mich!“ ist und der intellektuelle Witz meiner Texte mal wieder allen außer mir verborgen bleibt, überlege ich gern, ob ich nicht in einer anderen Karriere meine wahre Berufung gefunden hätte. Vielleicht wäre ich der perfekte Fleischhauer? Oder mit Humboldt zum Systemadministrator? Mein Berufseignungstest anno dazumal auf der BIM hatte schließlich ergeben, ich solle am Besten Klosterbruder werden...

In solchen schwachen Momenten muss ich allerdings nur kurz an meine diversen Ferien- und (Da)Nebenjobs zurückdenken und schon bin ich wieder geheilt und denke mir gern eine coole Headline zum Thema Achselhaar aus.

Beispielsweise war da dieser eine Sommer, als ich von einer kleinen Hundehütte an der O-Bus-Kehre aus Buskarten an unwissende Touristen verkaufte. Abgesehen von den 60 Minuten am Tag, an denen drei Reisebusladungen Chinesen auf einmal auf mich einstürmten, hatte der Job etwas ungemein Meditatives: man glaubt gar nicht, wie schnell man bei völliger Abgeschiedenheit von menschlichem Kontakt ein verschrobener, mit sich selbst diskutierender Waldkauz wird. Obwohl: da waren ja noch meine Freunde, die Goldkettchen-behangenen Busfahrer. Wenn sie zwischen ihren Fahrten Pause machten, gesellten sie sich gern zu mir an Fenster und berichteten der „Prinzessin von Salzburg Süd“ über ihre neuesten Heldentaten. Leider wurde daraus keine lebenslange Freundschaft, aber ich muss gestehen, dass ich mich, nachdem ich die Zeitung von hinten nach vorne gelesen, mein Führerschein-Lehrbuch drei Mal durch und einen 10-seitigen Brief an meine Brieffreundin in Mexico verfasst hatte, manchmal wirklich darauf freute, Besuch zu bekommen. Ein Ausnahmefall war dabei der gruslige Fahrer des Saugi-Autos, der auch regelmäßig bei mir einkehrte, aber das ist eine andere Geschichte.

Bei einigen anderen Jobs kam es gar nicht so weit, dass ich sie überhaupt antrat, weil das Vorstellungsgespräch schon so schrecklich war, dass ich schreiend davonlaufen wollte. Mit Schrecken denke ich beispielsweise an jene Agentur zurück, die wollte, dass ich während des Vorstellungsgesprächs bei Arnold Schwarzenegger anrufe, um ihm ihre Software zu verkaufen, oder die Firma, bei der ich darauf hingewiesen wurde, das es mich nicht stören dürfe, dass der Chef ab und zu nackt durchs Büro laufe.

Am Öftesten denke ich jedoch an meinen Sommerjob in der Heimtier-Hölle zurück. Wie jedes Jahr waren meine Freundinnen und ich viel zu spät mit unseren Ferialbewerbungen dran und mussten so mit jenen Jobs Vorlieb nehmen, die kein anderer wollte. Und so fanden wir uns einige schreckliche Wochen in einem Unternehmen für Haustierzubehör wieder. Die Elite der Mitarbeiter durfte dort graue von weißen und schwarzen Fellmäusen für Katzen auseinanderklamüsern, die Aufgabe des Fußvolkes war es jedoch, bis zum Abwinken Hundekauröllchen einzusackerln. Jeweils 20 von den bestialisch stinkenden, roten Stäbchen mussten abgezählt, in eine Packung gesteckt und dann mit jeweils drei Klammern aus einer mörderischen Appartur verschlossen werden – und das acht Stunden am Tag.

Das mag jetzt nach keiner großen intellektuellen Herausforderung klingen, aber ich will gar nicht zurückdenken an all die zerbrochenen Röllchen, zerrissenen Packungen, multiplen Klammerl-Infernos und angestanzten Finger. Das Schlimmste war jedoch, dass der atemberaubende Geruch der Kauröllchen resistent gegen jede Art von Seife war. Gingen wir also Abends nach der „Arbeit“ auf ein wohlverdientes Bier, ernteten wir regelmäßig schiefe Blicke und gerümpfte Nasen. Während unsere Freunde, die einen Ferialjob in der Bäckerei ergatterten hatten, nach Apfelstrudel dufteten, strömten wir ein penetrantes Parfum nach Hundefutter aus – viele Dates hatten wir in diesem Sommer nicht. Im Vergleich zu einem anderen Geruch war unser „Eau d’ Kauröllchen“ jedoch noch heilig: Unvergessen bleibt jener Tag, an dem sich eine von uns aus lauter Kauröllchen-Überdruss freudig freiwillig dazu meldete, eine Packung Ochsenziemer abzuzählen. Und all jenen, die wie wir damals keine Ahnung haben, was ein Ochsenziemer ist, wünsche ich jetzt viel Spaß beim Googeln – es lohnt sich.

Donnerstag, 10. November 2011

Wenn einer eine Reise tut... Teil 3: Jerez

Jerez war unser erster Stopp auf einem Road Trip durch Andalusien. Nachdem wir abends in unserem Vorstadt-Hotel angekommen waren, wollten wir noch kurz in die Innenstadt spazieren, um etwas zu essen.

Eine Dreiviertelstunde später mussten wir erstens feststellen, dass unser Hotel wohl doch weniger zentral gelegen war als gedacht und zweitens, dass wir ohne Stadtplan nicht nur nicht in der Lage waren, die Fußgängerzone zu finden – wir fanden gleich die gesamte Stadt nicht. Gefühlte Ewigkeiten streunten wir durch menschenleere Industriegebiete und verlassene Wohnviertel, ohne auch nur an einem einzigen Lokal vorbeizukommen. Im Nachhinein konnten wir auf der Karte nachvollziehen, dass wir auf unser Herbergssuche sogar ein richtiges Talent entwickelt hatten, bei jeder Ecke genau die falsche Richtung einzuschlagen, wodurch wir etwa fünf Mal bereits im sehr netten und gar nicht menschenleeren Zentrum von Jerez gewesen wären, wenn wir nicht haarscharf daran vorbeigelaufen wären.

Nachdem unser Magenknurren bereits zu einem lauten Dröhnen angeschwollen war, fanden wir endlich, endlich einen Platz, den wir für das Zentrum der Stadt hielten (das sich in Wahrheit eine Querstrasse weiter mit hunderten von Restaurants, Bars und Geschäften befand). Vor einer Bier-Bar, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, standen einige windschiefe Sessel und Tische und auf einer großen Tafel wurde typisch spanisches Essen angepriesen.

Voller Vorfreude ließen wir uns also nieder und durchforsteten die Speisekarte – die natürlich nur auf Spanisch war. Nun sollte man ja erwarten können, dass man seine Freundin, die fünf Jahre Spanisch studiert hat, in solchen Fällen um einen sprachlichen Rat fragen könnte, aber der arme Sandro musste wieder einmal feststellen, dass man mich umsonst studieren geschickt hatte.

Auf seine Frage, was den „Pasta con gulas“ sei, konnte ich ihm nur ratlos entgegenblicken. Ich ließ ihn zwar ausnahmsweise nicht unabsichtlich kulinarisch gegen die Wand laufen wie damals, als ich ihm voller Überzeugung in der Toskana versicherte, dass „Cinghiale“ Pilze wären, warnte ihn jedoch vor, dass er sich die ominösen Gulas besser nicht bestellen solle.

Sandro tat meine Skepsis jedoch mit einem Schulterzucken und einem „Gulas, was soll das schon sein – wird halt sowas wie eine Gulasch-Sauce sein!“ ab und bestellte das Gericht.

Nie werde ich seinen Blick vergessen, als sein Teller serviert wurde: Nudeln mit einer glibbrigen Masse an grauen Würmern obendrauf. Es war das einzige Essen, dass ich Sandro in all den Jahren nach ein paar Bissen stehen sehen lassen habe.

Und dabei wusste er da noch gar nicht, was wir nach dem Urlaub im Wörterbuch nachschlagen sollten: nämlich, dass er gerade Spaghetti mit Baby-Aalen gegessen hatte.

Noch jemand Hunger?


Dienstag, 8. November 2011

Wenn einer eine Reise tut... Teil 2: Rom

Böse Zungen behaupten, dass man ohnehin ein wenig weich in der Birne sein muss, um ausgerechnet zu Ostern (ich erhöhe: unmittelbar vor Seligsprechung Johannes Paul II) nach Rom zu fahren. Zusätzlich zu diesem geistigen Schaden waren wir allerdings auch noch körperlich angeschlagen: Die Woche vor dem Abflug hatten wir beide mit Grippe und Fieber im Bett verbracht und wurden nur von einer Familienpackung Aspirin C am Leben gehalten.

Dementsprechend fit waren wir also, als unser Flieger Abends in Richtung Fiumicino abhob. Egal, sagten wir uns – wenn wir in Rom ankommen einfach nur noch schnell ins Hotel, 12 Stunden durchschlafen und am nächsten Tag wieder wie neu geboren sein. Die Motivation war also einigermaßen hoch, als wir um Mitternacht in Rom aus dem Flieger stiegen.

Als wir eine Stunde später mutterseelenallein noch immer am Gepäckband standen, das einsam und vollkommen leer in der italienischen Nacht seine Runden drehte, war die Motivation schon nicht mehr ganz so hoch.

Wie wir von einem freundlich-desinteressierten Mitarbeiter am Infoschalter erfuhren, hatte es unser Gepäck nicht einmal aus Salzburg hinausgeschafft und würde bis auf weiteres auch dort bleiben.

Schnupfend, schniefend und hustend machten wir uns also völlig Gepäck-befreit auf den Weg nach draußen, wo zu dieser Uhrzeit natürlich kein Shuttlebus mehr zu bekommen war. Nach einer abenteuerlichen Taxifahrt um heiße 45 Euro waren wir um 02.00 Uhr früh endlich unserem einzigen Ziel nahe: dem Bett.

Vom Nachtportier wurden wir herzlich empfangen und verwundert gefragt, ob wir denn gar kein Gepäck hätten. Kurz gelacht, schleppten wir wenn schon nicht unsere Rucksäcke dann zumindest uns selbst in den zweiten Stock, wo uns der freundliche Herr von der Rezeption eine angenehme Nacht wünschte und mit galantem Schwung die Zimmertür öffnete.

Weniger galant war der Schwung, mit dem er nach kurzem Aufquieken die Tür wieder eilig hinter sich ins Schloss zog, nachdem er den beiden dort im Bett liegenden Personen wohl einen halben Herzinfarkt beschert hatte. „Is someone in se room!“ Ah!

Also wieder hinunter zur Rezeption, der Traum vom Bett wieder in weite Ferne gerückt. Während wir Aspirin-Leichen schon den Tränen nah waren, telefonierte der Rezeptionist aufgeregt mit seinem Chef, nur um uns kurze Zeit später mitzuteilen, dass niemand wisse, wer die beiden Personen in unserem Zimmer seien und was sie dort machten. Ein kurzer Blick in seine Liste ergab außerdem folgendes: „We has no other room for you!“

Nachts um halb 3, in der Nacht vor Ostersonntag legte uns der nette Herr also nahe, wir mögen uns doch ein anderes Hotel suchen. Nachdem ich ihm ruhig und freundlich erklärt hatte, dass die Situation für uns so recht ungünstig sei (Szene im Sinne des Jugendschutzgesetzes leicht umgeschrieben), fand das Hotel dann doch noch ein Zimmer für uns. Wenn wir auch keine frischen Unterhosen, keine Zahnbürste und kein Deo hatten, so hatten wir doch zumindest ein Bett und unser Aspirin. Und mehr braucht man manchmal nicht zum glücklich sein.

Alle Wege führen nach Rom (gilt nicht für Gepäck)

Montag, 7. November 2011

Wenn einer eine Reise tut... Teil 1: Vicenza

Unser verlängertes Wochenende in Vicenza hatten wir ziemlich günstig gebucht. Deshalb leuchtet es im Nachhinein fast ein, dass das finanziell und karmatechnisch auf irgendeine Weise wieder ausgeglichen werden musste.

Da unser 5-Sterne-Gutshof erstens mitten im italienischen Nirgendwo gelegen war und wir dort zweitens öffentlich als Billigbucher defamiert wurden (beim Abendessen stand auf unserem Tisch ein großes Schild, das nicht wie wir zuerst angenommen hatten, die Aufschrift „Holzer“, sondern „Hofer“ trug), waren wir ziemlich viel mit dem Auto unterwegs.

Auf einem dieser Ausflüge wurde unsere speziell gebrannte Urlaubs-CD jedoch plötzlich von einem Düsenjet überdröhnt. Nachdem dieser Düsenjet ungewöhnlich lang genau über uns zu kreisen schien, mussten wir bald darauf feststellen: wir hatten gar keinen Düsenjet, wir hatten einen Auspuff, der sich gerade von unserem Auto löste.

Nachdem wir eine halbe Stunde am Straßenrand damit zugebracht hatten, – Achtung, MacGyver! – mit Sandros Schlüsselanhänger die traurigen Reste unseres Auspuffrohres wieder an unseren Toyota zu ketten, ohne dass dieser dabei in Flammen aufging, traten wir unsere lautstarke Rückreise zum Hotel an. Der Rezeptionist freute sich schon von Weitem, als die Billigsdorfer-Urlauber mit ihrem Schrottauto jetzt auch noch mit vollem Prolo-Gewumme auf dem Gutshof vorfuhren und verwies uns freundlich an die Werkstatt seines Vertrauens.

Dort wurde wieder einmal schmerzlich klar, dass in meinem „Italienisch in 30 Tagen“-Lehrbuch einige wichtige Kapitel gefehlt hatten. So hätte ich dem netten Herren dort zwar erklären können, dass neben meinem Bett ein Sessel steht, nicht aber, dass mein Auspuff auf der Schwelle des Todes stand. Erst später wurde mir klar, warum er auf meine von wilder Gestikulation begleiteten „Exhausto! Exhausto!“ Ausrufe nicht reagierte.

Ob der italienische Mechaniker am Ende tatsächlich verstand, was wir ihm zu erklären versuchten, oder uns einfach nur loswerden wollte, wird uns wohl auf ewig verborgen bleiben. Auf jeden Fall setzte er uns für 25 Euro in ein Taxi und schickte uns zurück ins Hotel, wo wir im strömenden Regen in unserem Zimmer saßen, bis wir am nächsten Tag um 25 Euro wieder ein Taxi zurück zur Werkstatt nehmen durften und dort für 300 Euro unser notdürftig repariertes Auto in Empfang nehmen konnten. Bis nach Hause sind wir mit dem Auto dann sogar noch gekommen. Und falls es mal jemand brauchen sollte: Auspuff heißt auf Italienisch „scappamento“.

Vicenza: Venedig für Arme (Hofer-Bucher)

Feiern bis das Sandmännchen kommt

Mit Frauen über 30 kann man nicht nur nicht mehr verstecken spielen (weil sie – wie mir ein Gratulant zu meinem 30er glaubhaft versichert hat – keiner mehr sucht), man kann auch nicht mehr mit ihnen fortgehen. Ich will hier nicht alle in einen Topf werfen – bewundernd ziehe ich meine Haube vor einigen Freundinnen, die noch wie ein junges Reh bis 06.00 Uhr früh auf der Tanzfläche herumhüpfen – aber bei mir übernimmt mittlerweile spätestens ab Mitternacht die Gravitationskraft ihre eisenharte Kontrolle über meine Augenlider.

Fortgehen schaue ich mir heutzutage im Fernsehen an und Freunde drohen mir schon vor einem Treffen damit, dass ich mir nicht einzubilden brauche, „wieder um 11 heim schlafen“ zu gehen. Dabei ist es ja nicht so, dass ich mit Absicht verfalle, es ist nur so... wahnsinnig... schwierig, sich... so spät noch... zu.... hhhhrccccchhh....

Wann bin ich nur so alt geworden, dass es kein Problem mehr ist, den letzten Bus zu erwischen? Wer ist diese Frau, die sich bei Konzerten manchmal wünscht, es gäbe eine Pensi-Ecke mit Bestuhlung (oder sie wäre jetzt zu Hause auf der Couch bei „Wetten, dass...?“)?!

Früher waren mit dem Zaubermittel Alkohol noch wahre Heldentaten möglich – heute führt sogar dieser nur dazu, dass man noch im Lokal in einen komaähnlichen Stupor verfällt, sich danach abwechselnd schlaflos im Bett wälzt und aufs Klo rennt und am nächsten Morgen kaum fähig ist, ohne Kotztüte die Stiege runterzuwanken.

Bekanntlich soll man das (Bier)Glas ja aber immer halb voll sehen – und deswegen freut es einen dann umso mehr, wenn man es mal unter der Woche nicht mehr rechtzeitig zu Constanze Rick nach Hause schafft oder bei einer Party die Letzte ist, die noch auf der Tanzfläche zu Limahl die Hände in den Himmel wirft. Dass das meistens nur daran liegt, dass alle anderen vor lauter Peinlichkeit bereits das Lokal verlassen haben, ist in diesem Falle irrelevant.

Mittwoch, 2. November 2011

Backe, backe Kuchen

Wer mich kennt, weiß: ich mag Kuchen. Egal ob Blech-, Obst-, Schüttel- oder Rühr- ich stoße keinen Kuchen von meinem Dessertteller. Im Büro bin ich deshalb schon als eine Art „Kuchen-Rambo“ verschrien, der jeden Mitarbeiter unter Androhung von roher Gewalt dazu inspiriert, ganz von selbst auf die Idee zu kommen, einen Einstands- oder Geburtstagskuchen mitzubringen.

Wenn es allerdings auf meinen eigenen Geburtstag zugeht, bekomme ich Backpanik. Es ist nicht so, dass ich nicht gern backe. Es ist noch nicht mal so, dass die Dinge, die ich backe, entsetzlich schmecken würden (mal abgesehen von diesem einen Mal, als ich „KL“ für Kilo statt Kaffeelöffel hielt). Aber optisch? Frage nicht!

Mein weltberühmtes DIN A4-Keks verließ damals wenigstens nicht meine eigenen vier Wände, aber unvergessen bleibt der Blick meiner Verwandten, als ich ihnen bei einer großen Geburtstagsfeier eine in stundenlanger, hochkomplexer Backprozedur fabrizierte Erdbeer-Schoko-Kokos-Torte servierte, die dann nach Abnehmen der Form vor den Augen aller Anwesender mit einem lauten Schmatzgeräusch in alle vier Himmelsrichtungen auseinanderfiel. Noch heute sehe ich sie vor mir, die mitleidigen Blicke auf meinen Kuhfladesken Matschhaufen: „Aber schmecken tut sie wunderbar!“ - ein Desaster.

Woran das Optikproblem meiner Backwaren liegt, konnte ich bislang noch nicht feststellen. Nachdem ich ein militanter „Nach-Rezept-Backer“ bin, gibt es bei mir nicht zu viel Mehl oder zu wenig Zucker – alles wird bis aufs Gramm genau mit meiner Eduscho-Haushaltswaage portioniert. Nur manchmal lasse ich ein paar unwichtige Details außer Acht. Was kann es schon für einen Unterschied machen, ob man die Creme „über dem Wasserbad aufschlägt“ oder einfach kurz durch den Werbegeschenk-Mixer jagt? Und die Butter wird auch in der Mikrowelle „handwarm“!

Eines Fehlers bin ich mir also nicht bewusst und deswegen werde ich mir auch das nächste Mal, wenn vor mir wieder mal ein trauriger, missgebildeter Teigklumpen liegt, einfach sagen: Auf die inneren Werte kommt es an!
Für den großen Hunger zwischendurch: das praktische DIN A4-Keks

Der Wille zählt

Dienstag, 25. Oktober 2011

Mich gruselt’s

Halloween versteh ich nicht. Sich als Geist oder Vampir verkleiden und bei fremden Menschen an der Tür um Süßigkeiten bitten. Wenn wochentags mein Wecker klingelt, sehe ich auch aus wie aus einem Gruselfilm – stelle ich mich deswegen vielleicht bei den Nachbarn vor die Tür und bettle um ein Stück Schokolade?

Vielleicht liegt es daran, dass ich schon kein Fan von Fasching bin. Mein letzter Versuch, den Fasching lustig zu finden, endete 10min nach Abfahrt von zu Hause damit, dass ich als Marienkäfer (das klingt jetzt sehr uncool. Vielmehr war es aber ein Batman-artiger Action-Marienkäfer) verkleidet in einem sibirischen Schneesturm bei der Tankstelle fluchend und vergeblich versuchte, mein ausgebranntes Autolicht zu wechseln. Ha ha.

Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich nicht bereit bin, meine Schokolade mit irgendjemandem zu teilen. Also werde ich es auch dieses Jahr wieder so halten, wie ich es zu Hause schon für die Drei Heiligen Könige gelernt habe. Fernseher auf lautlos, Licht aus und einfach so tun, als ob niemand zu Hause wäre.

Hör auf deinen Baumax (wenn du ihn erwischt)

Während des Umzugs habe ich gefühlte 1000 Stunden in Salzburgs Baumärkten verbracht. Einerseits deswegen, weil ich wir tatsächlich jeden Samstag aufs Neue feststellen mussten, dass noch eine Dose Spachtelkit/ Aufputzdose / Karnisenblende breit fehlte, andererseits deswegen, weil auch die kleinste Besorgung in einem dieser Märkte jedes Mal Stunden in Anspruch nahm.

Eine 100%ige Erfolgsstrategie gab es dabei nie – unsere anfänglichen Versuche outeten uns jedoch sofort als Baumax-Neulinge: wir stellten uns bei Fragen an den Infoschalter. Und warteten. Und warteten. Und.... warteten. Aus dem Morgen wurde Mittag, aus dem Mittag Abend – und noch immer starrten wir mutterseelenalleine den Baumax Infopoint an.

Wir beschlossen also, in die Defensive zu gehen, und einen der freundlichen Mitarbeiter direkt am Tatort abzufangen. Was jedoch nicht minder erfolglos war. Wer schon einmal Pacman gespielt hat, weiß es: als normalsterblicher Blinky ist es nicht einfach, das gelbe Ding zu erwischen, das mit rasender Geschwindigkeit um die Ecke des Labyrinths verschwindet. Immerhin verzichtet Pacman auf die dreiste Lügenaufschrift „Ich helfe Ihnen gerne weiter“.

Nachdem auch diese Strategie nicht fruchtete, kann ich mittlerweile nur noch ein Vorgehen empfehlen: sich bereits bei Betreten des Baumarkts von hinten an einen Mitarbeiter anpirschen, ihn mit lautem Kampfschrei zu Boden ringen, seine „Für diese Abteilung bin ich nicht zuständig!“-Rufe mit einem Maßband ersticken (das man ohnehin immer dabeihaben sollte, da der mühsam eingefangene Mitarbeiter sonst mitten unterm Gespräch die „Da muss ich jetzt schnell ein Maßband holen“-Fluchtausrede versuchen wird) und ihn am Kragen in die Abteilung schleifen, in der man sein gewünschtes Produkt vermutet.

Achtung: funktioniert nicht in allen Baumärkten. Nur schaudernd denke ich an meine Begegnung mit ihm zurück. Dem OBI-Biber.

Salem vs. Salami

Salem ist der Kater unseres Nachbarn. Eigentlich wissen wir weder, ob er ein Kater ist, noch ob er Salem heißt, aber er sieht so aus wie die Katze aus „Sabrina“ (was bei Gott nicht für ihn spricht).

Salem besucht uns nahezu täglich, obwohl er uns nicht leiden kann. Im Gegensatz zu seiner Katzenkollegin Champagner (die leider wirklich so heißt) stürmt er nicht mit schreckgeweiteten Augen aus dem Garten, wenn wir uns im Wohnzimmer bewegen, sondern baut sich anklagend vor unserer Terrassentür auf. Er macht sich nicht die Mühe zu miauen, schließlich weiß er, dass ich innerhalb von 5 Minuten entzückt gurrend und mit einem monströsen Wurstrad bewaffnet die Tür aufreißen werde.

Kaum ist die Tür geöffnet, betritt er majestätisch sein Reich und würdigt weder mich noch die Wurst eines Blickes. Auf jegliche Streichelversuche reagiert er mit gerümpfter Nase und angeekeltem Blick. Neuerdings setzt er sich gerne auf unsere Couch, um sich ausgiebig zu putzen.

Und manchmal darf ich dann sogar im anderen Eck meiner Couch sitzen, während ich mein Wurstrad esse. Danke, Salem.



Ey Alda, was machst du auf meiner Couch?!