Wenn die Tage bitter schmecken
Nach Schnee und Neon, so still und fahl
Dann mach die Augen zu und halt dich fest
Wenn die Tage staubig schmecken
Nach Gips und Stahl, so eng und heiß
Dann renn los und lauf dir selbst davon
Wenn die Tage salzig schmecken
Nach Wind und Bass, so roh und laut
Dann atme ein, lass los und spring
Donnerstag, 27. Juni 2013
Sport ist Mord
Eigentlich sollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen. Mittlerweile ist man als Anti-Sportler nämlich eine diskriminierte Randgruppe, die von der restlichen Bevölkerung bestenfalls mit Unverständnis beäugt wird. Was, du treibst überhaupt keine Sport? So richtig gar keinen? Nein, tu ich nicht – und hör sofort auf, so subtil-vorwurfsvoll auf meine Schwimmreifen zu schielen!
Ich bin ja der Meinung, dass ich wirklich einiges im Leben gut kann. Ich bin zum Beispiel eine tolle Katzen-Streichlerin, kann leidlich Kuchen backen und bringe auch ab und an mal ein paar gerade Worte aufs Papier. Aber was ich gar nicht kann ist: Sport. Nix davon.
Während ich mich als Kind noch (einigermaßen) für Fangenspielen, Gummihüpfen und Springschnurspringen begeistern konnte, nahm das Dilemma spätestens mit dem wöchentlichen Turnunterricht in der Schule seinen Lauf. Insgeheim bin ich ja nach wie vor der Meinung, dass ich damals pädagogisch einfach falsch behandelt wurde (kleiner Tipp an zukünftige Turnlehrer: es ist NICHT motivierend, wenn man gerade gefühlte schier übermenschliche 100m beim Weitsprung gehechtet ist und dann nur ein unterdrücktes Kichern und ein „Hihi, na das Ergebnis schreib ich aber jetzt gar nicht erst auf!“ zu hören bekommt!), aber der Unterschied zwischen mir und meinen Klassenkolleginnen war doch durchaus, sagen wir einfach: sichtbar.
Während die anderen grazil über den Balken tänzelnden, Räder schlugen und wie die Äffchen an den Seilen hochkletterten, krachte ich gerade wahlweise gegen das Pferd, bekam den großen Medizinball an den Kopf oder hing vollkommen hilflos und mit knallrotem Kopf in einem missglückten Felgaufschwung vom Reck.
Die wöchentliche Scham führte bald dazu, dass ich zum Deserteur wurde. So oft wie möglich erpresste ich meine arme Mama dazu, mir eine Entschuldigung für den Turnunterricht zu schreiben, was dazu führte, dass ich einen erstaunlich hohen Prozentsatz des Jahres mit „Regelbeschwerden“ in der Turnsaalgarderobe saß und ein gutes Buch las. Leider ging diese sehr zufriedenstellende Strategie nur so lange auf, bis mir meine Lehrerin mit einer Nachprüfung in Turnen drohte, wenn ich nicht ab da an an jeder einzelnen Turnstunde aktiv beteiligt wäre. Also wieder rauf aufs Reck...
Dabei ist es ja noch nicht mal so, dass ich es nicht versucht hätte. Meine halbe Jugend verbrachte ich in krampfhafter Suche nach der richtigen Sportart für mich. Zuerst versuchte ich es mit Basketball – bis ich aus lauter Schmach damit aufhören musste, weil der einzige Korb, den ich jemals geschossen habe, sich leider als Eigentor entpuppte (und ich dachte ehrlich, die gröhlen alle so, weil sie sich mit mir freuen!). Danach kamen Tischtennis (zu ehrgeiziger Trainer), Badminton (zu talentierte 5-jährige Teamkollegen) und schließlich Baseball. Stolz kann ich verkünden, dass ich bei diesem Sport sogar mehrere Jahre blieb und es zweifelsfrei bis zum besten First-Base-Nichtsportler Salzburgs brachte. Irgendwann kam mir leider die Tatsache in die Quere, dass ich Fortgehen lustiger fand als Trainineren (ist euch übrigens schon mal aufgefallen, dass "Sport" und "Prost" aus genau denselben Buchstaben bestehen? Na?!) – und damit war auch die Zeit im Baseball-Verein Geschichte.
Man muss allerdings auch dazusagen, dass die Sterne mir regelmäßig ein unmissverständliches Zeichen gaben: Sport ist nicht für dich geschaffen! Zwei von drei Kopfverletzungen vor meinem 18. Lebensjahr gehen immerhin darauf zurück, dass ich als harmloser Zuschauer bei einer Sportveranstaltung anwesend war. Beim Air&Style von oben k.o. geschlagen, beim Vereinspiel durch einen tieffliegenden Baseball fast das Augenlicht verloren – wer soll sich da noch zum selber Sporteln motivieren??!
Die Hoffnung ist allerdings noch nicht komplett gestorben. Vor einigen Jahren habe ich mir im Ausverkauf um 10 Euro ein paar Laufschuhe gekauft. Und dann noch eine Hose dazu, und ein Shirt und eine Jacke... – für diesen Teil des Sports war ich echt topmotiviert! Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Schuhe nach den ersten Laufversuchen, nach denen ich tagelang quasi querschnittgelähmt vom Muskelkater ans Bett gefesselt war, sehr schnell wieder in den Keller gestellt habe. Dort warten sie jedes Frühjahr darauf, dass ich sie doch mal wieder heraushole und meinen inneren Schweinehund überwinde.
Eines Tages möchte ich es auch wirklich schaffen: Wie die Massen an anderen Läufern, die meinen Weg kreuzen, wenn ich wieder mal gemütlich an der Salzach entlang schlendere, möchte ich mit (leicht) verschwitzter Stirn, wippendem Pferdeschwanz und endorphin-gelöstem Grinsen durch die Gegend traben und mich dabei super-athletisch fühlen. Eines Tages werde ich es schaffen – und bis dahin kann ich mir ja noch das eine oder andere Shirt kaufen. Zwecks der optimalen Vorbereitung und so...
Ich bin ja der Meinung, dass ich wirklich einiges im Leben gut kann. Ich bin zum Beispiel eine tolle Katzen-Streichlerin, kann leidlich Kuchen backen und bringe auch ab und an mal ein paar gerade Worte aufs Papier. Aber was ich gar nicht kann ist: Sport. Nix davon.
Während ich mich als Kind noch (einigermaßen) für Fangenspielen, Gummihüpfen und Springschnurspringen begeistern konnte, nahm das Dilemma spätestens mit dem wöchentlichen Turnunterricht in der Schule seinen Lauf. Insgeheim bin ich ja nach wie vor der Meinung, dass ich damals pädagogisch einfach falsch behandelt wurde (kleiner Tipp an zukünftige Turnlehrer: es ist NICHT motivierend, wenn man gerade gefühlte schier übermenschliche 100m beim Weitsprung gehechtet ist und dann nur ein unterdrücktes Kichern und ein „Hihi, na das Ergebnis schreib ich aber jetzt gar nicht erst auf!“ zu hören bekommt!), aber der Unterschied zwischen mir und meinen Klassenkolleginnen war doch durchaus, sagen wir einfach: sichtbar.
Während die anderen grazil über den Balken tänzelnden, Räder schlugen und wie die Äffchen an den Seilen hochkletterten, krachte ich gerade wahlweise gegen das Pferd, bekam den großen Medizinball an den Kopf oder hing vollkommen hilflos und mit knallrotem Kopf in einem missglückten Felgaufschwung vom Reck.
Die wöchentliche Scham führte bald dazu, dass ich zum Deserteur wurde. So oft wie möglich erpresste ich meine arme Mama dazu, mir eine Entschuldigung für den Turnunterricht zu schreiben, was dazu führte, dass ich einen erstaunlich hohen Prozentsatz des Jahres mit „Regelbeschwerden“ in der Turnsaalgarderobe saß und ein gutes Buch las. Leider ging diese sehr zufriedenstellende Strategie nur so lange auf, bis mir meine Lehrerin mit einer Nachprüfung in Turnen drohte, wenn ich nicht ab da an an jeder einzelnen Turnstunde aktiv beteiligt wäre. Also wieder rauf aufs Reck...
Dabei ist es ja noch nicht mal so, dass ich es nicht versucht hätte. Meine halbe Jugend verbrachte ich in krampfhafter Suche nach der richtigen Sportart für mich. Zuerst versuchte ich es mit Basketball – bis ich aus lauter Schmach damit aufhören musste, weil der einzige Korb, den ich jemals geschossen habe, sich leider als Eigentor entpuppte (und ich dachte ehrlich, die gröhlen alle so, weil sie sich mit mir freuen!). Danach kamen Tischtennis (zu ehrgeiziger Trainer), Badminton (zu talentierte 5-jährige Teamkollegen) und schließlich Baseball. Stolz kann ich verkünden, dass ich bei diesem Sport sogar mehrere Jahre blieb und es zweifelsfrei bis zum besten First-Base-Nichtsportler Salzburgs brachte. Irgendwann kam mir leider die Tatsache in die Quere, dass ich Fortgehen lustiger fand als Trainineren (ist euch übrigens schon mal aufgefallen, dass "Sport" und "Prost" aus genau denselben Buchstaben bestehen? Na?!) – und damit war auch die Zeit im Baseball-Verein Geschichte.
Man muss allerdings auch dazusagen, dass die Sterne mir regelmäßig ein unmissverständliches Zeichen gaben: Sport ist nicht für dich geschaffen! Zwei von drei Kopfverletzungen vor meinem 18. Lebensjahr gehen immerhin darauf zurück, dass ich als harmloser Zuschauer bei einer Sportveranstaltung anwesend war. Beim Air&Style von oben k.o. geschlagen, beim Vereinspiel durch einen tieffliegenden Baseball fast das Augenlicht verloren – wer soll sich da noch zum selber Sporteln motivieren??!
Die Hoffnung ist allerdings noch nicht komplett gestorben. Vor einigen Jahren habe ich mir im Ausverkauf um 10 Euro ein paar Laufschuhe gekauft. Und dann noch eine Hose dazu, und ein Shirt und eine Jacke... – für diesen Teil des Sports war ich echt topmotiviert! Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Schuhe nach den ersten Laufversuchen, nach denen ich tagelang quasi querschnittgelähmt vom Muskelkater ans Bett gefesselt war, sehr schnell wieder in den Keller gestellt habe. Dort warten sie jedes Frühjahr darauf, dass ich sie doch mal wieder heraushole und meinen inneren Schweinehund überwinde.
Eines Tages möchte ich es auch wirklich schaffen: Wie die Massen an anderen Läufern, die meinen Weg kreuzen, wenn ich wieder mal gemütlich an der Salzach entlang schlendere, möchte ich mit (leicht) verschwitzter Stirn, wippendem Pferdeschwanz und endorphin-gelöstem Grinsen durch die Gegend traben und mich dabei super-athletisch fühlen. Eines Tages werde ich es schaffen – und bis dahin kann ich mir ja noch das eine oder andere Shirt kaufen. Zwecks der optimalen Vorbereitung und so...
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