Dienstag, 22. Mai 2012

Feindliches Kraut

Wenn man bedenkt, wie meine kulinarische Karriere begonnen hat, ist es eigentlich ein Wunder, dass ich heute weder verhungert noch Oberbeauftragte der Weight Watchers bin. Als Kind war ich der personifizierte Bauer: wos a ned kennt, frisst a hoid ned. Meine Kindergarten-Wunschjause war Brot mit Bratensoße (enttäuschenderweise bekam ich das aber nie mit) und die Liste der Lebensmittel, die ich nicht mochte, war so lang, dass ich nicht mal Pizza aß: schließlich waren da Käse, Thunfisch, Artischocken, Zucchini und allerhand anderes Zeug drauf, dass ich mit der Kneifzange nicht angerührt hätte.

Über die Jahre hinweg habe ich jedoch einen wahren kulinarischen Kreuzzug angetreten und bin heute ein nahezu Alles-Kocher-und-Fresser. Fisch im Ganzen konnte ich zwar lange nur mit einer Zitrone über dem Gesicht essen (also über seinem, nicht über meinem – damit er mich nicht so vorwurfsvoll anstarrt) und meine Beziehung zu Oliven war wahrlich keine Liebe auf den ersten Blick, aber mittlerweile finde ich wirklich an den meisten Lebensmitteln meine kulinarische Freude: Ich liebe Melanzani, Linsen und Scampi, ich verbrate Fenchel und Kapern und beim Geruch von Thymian, Basilikum und Rosmarin läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Ein Feind ist mir jedoch über all die Jahre geblieben: die Pfefferminze. Während andere sich beim Genuss von After Eight alle zehn Finger ablecken, kriege ich allein schon beim Geruch das kalte Grausen. Noch heute kann ich mich daran erinnern, als mir eine Freundin im Kindergarten ein Tic Tac schenkte und ich es voller Freude und in dem Glauben, es wäre eins mit Orangengeschmack, einsaugte – nur um es zwei Sekunden später würgend wieder auszuspucken, weil es doch eins mit Minze war. Leider ist das in hohem Bogen von sich Geben von Lebensmitteln ab einem gewissen Alter aber nicht mehr sozial anerkannt, weswegen ich vor einigen Jahren ein grausames Pfefferminz-Fiasko erlebte. Gemeinsam mit ein paar Kollegen war ich zu einer Besprechung im Büro des Chefs, der netterweise jedem von uns eine Praline aus seinem Deluxe-Adventkalender anbot. Während meine Kollegen genüsslich an ihren Nougat- und Marzipan-Pralinen nibbelten, stieg mir beim ersten Bissen das Frühstück nach oben – ich hatte eine extragroße, fett gefüllte Minzpraline erwischt.

Natürlich habe ich mir in dieser Situation keine Blöße gegeben und das Teil tapfer hinuntergeschluckt, anstatt eine Kotzfontäne auf die Couch des Chefs loszulassen. Seitdem hasse ich dieses Teufelszeug aber noch viel mehr und habe ihm offiziell den Krieg erklärt – wer sich heimlich in meine Schokolade schleicht, steht auf meiner Abschussliste. Sollte also jemand meine Abneigung teilen, darf er gerne meiner Kampftruppe beitreten. Codename: Minzen impossible. 

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