Freitag, 21. September 2012

Voll verplant


Pläne sind schon eine witzige Sache. Man macht sie mit einem klaren Ziel vor Augen, um etwas Bestimmtes zu erreichen – und ist in 99% der Fälle dann erst recht auf die hohe Kunst der Improvisation angewiesen, weil aus Plänen leider nur ganz selten auch wirklich etwas wird.

Im Kleinen merkt man das relativ schnell: Kaum hat man zum Beispiel geplant, heute mal früher von der Arbeit heimzugehen, weil man noch etwas vor hat, kann man sich sicher sein, dass man genau an diesem Tag sogar zwei Stunden länger als sonst im Büro sitzt. Oder so: heute Abend Melanzani-Auflauf geplant? Dann stehen die Chancen richtig gut, dass spontan im ganzen Land ein akuter Auberginen-Engpass aufgetreten ist. Oder: du brauchst eine neue Hose? Vergiss es! Bis zu dem Zeitpunkt, an dem du wegen vorübergehender Budget-Probleme eigentlich kein Geld mehr für Kleidung ausgeben wolltest, wirst du nur von zu großen, zu kleinen, zu roten, zu engen oder einfach nur zu hässlichen Hosen umgeben sein!

Im Kleinen sind solche Dinge nervig, überhaupt wenn man wie ich ein großer Vorplaner ist, der am Liebsten heute schon auf einer sauber geführten ToDo-Liste vermerken würde, was er im Jahr 2045 zu Weihnachten isst. Richtig lustig wird es aber, wenn man in größeren Dimensionen plant. Schon mal darüber nachgedacht, wie du dir dein Leben mit 30 vorgestellt hast, als du 13 warst?

Ich wäre demnach heute Chefredakteurin des „Metal Hammer“ und hätte zwei hochintelligente Kinder. Was mit Oliver und Astrid passiert wäre, während ich Eddie Vedder interviewt hätte, habe ich damals nicht notiert, aber höchstwahrscheinlich hätte in der Zwischenzeit Kurt Cobain auf sie aufgepasst.

Was ich damals nicht bedacht habe, war nicht nur, dass die Sache mit Kurt Cobain schwierig werden würde, sondern auch, dass so ziemlich alles andere anders kommen würde als gedacht. Manchmal ist es lustig, manchmal traurig oder einfach nur kurios, seine Lebenspläne von heute mit denen von früher zu vergleichen und meistens erschließt sich einem die alte Weisheit „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen“ in solchen Momenten auf eine ganz neue Art und Weise.

Nichtsdestotrotz wäre das Leben ohne Pläne nur halb so lustig – und wenn nur deshalb, weil man im Nachhinein mit genug Katastrophenhumor über ihr Scheitern lachen kann. Deshalb bin ich auch nach wie vor nicht von meinem Plan abzubringen, innerhalb der nächsten zehn Jahre den Lotto Vierfach-Jackpot zu knacken, den Friedensnobelpreis für die Erfindung des temperierten Ganzkörperanzugs zu erhalten oder zumindest als Gründerin des ersten Katzen-Kinderheims auf Zakynthos in die Weltgeschichte einzugehen. Hör ich da jemanden lachen? Halloooo….???   

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